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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 63 mal aufgerufen
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 Michalocker
Michalocker Offline


Beiträge: 200


30.10.2010 07:47
Nachts antworten

Nachts


So saß ich nun vor Angst geschwitzt, allein in meinem Zimmer,
Es war ganz still so glaubt´ ich schon, doch horch´- ein leicht Gewimmer.
Der Mond war voll, das Bett zerwühlt, am Fenster Regenspuren,
Die Schatten tanzten durch den Staub und malten blaß Figuren.

Ein scharrend´ Ast, bewegt vom Wind? Droht ahnungsvoll am Fenster.
Darauf berührt mich kalter Hauch, ich denke an Gespenster.
Mit mut´gem Herz, zwar zaghaft nur, versuch ich zu fixieren,
Was sich in diesem Raume tut, erneutes Wimmern läßt mich frieren.

War dies´ Gejammer denn real oder Gespinst aus meinem Traume?
Mein Herzschlag bis zum Halse geht, zu hör´n im ganzen Raume.
So tast ich durch die Dunkelheit, mit nackten Füßen, weichem Knie,
Getrieben von der selben Angst die so verspürt ich hatt´ noch nie.

Da war es wieder, schrill und fern dies unsägliche Leiden.
Ich bin verückt, denk´ ich bei mir, sollt´ stille hier im Zimmer bleiben.
Sei es aus Neugier, ruhelos, im Zwiespalt meiner Seele,
Ganz langsam öffne ich die Tür, schau´ nur in gähnend´ Leere.

Voll Furcht wag´ ich den Gang hinaus, in unbekannte Schwärze.
Fühl´ feucht Morast bei jedem Schritt - wär´ nicht das pochend Herze.
So langsam wird mein Auge scharf, ich schleich´ durch nahen Wald,
Darf nicht verlassen schmalen Weg, da seh´ ich fern, die fremd´ Gestalt.

So habe ich mich nicht verhört, bin nicht dem Wahnsinn zugewandt.
Mein Schritt wird schneller, unbedacht, lauf´ ich durchs Schattenland.
Schlagartig wird mein Gang so schwer, kann nicht ans Ziel gelangen
Der Vorsicht fern, zu spät gemerkt, ich bin im Moor gefangen.

Mit wild´ Gestrampel, hilfsuchend Blick, fang´ ich nun an zu schrei´n,
Ruf die Gestalt um Beistand an, das Moor gluckert – du bist nun mein.
Fast bis zum Kopf bin ich versunken, spür´ unter mir unendlich Tiefen,
Ein letzer Blick, nun wird mir klar - Es sind Irrlichter, die mich riefen.

All´ jene Ängste schweben fort, ich füge mich der Kraft Gebot.
Ein langsam Gleiten, Dunkelheit, es wird ganz still – ist das der Tod?
Und immer weiter sink´ ich fort, seh´ leicht verwirrt, bekannten Raum.
Im Bette liegend, mollig warm - nur diesmal ist´s kein trughaft Traum.


MB – 10/10

liebe Grüße

"Wenn Du willst, was du nie hattest - dann mache, was du nie tatest"

Jürgen Offline


Beiträge: 253


30.10.2010 08:47
#2 RE: Nachts antworten

Hallo und guten Morgen, Michael,
das ist wirklich sehr anmutig und mit viel Gefühl geschrieben, ich bekomme Gänsehaut.

Ganz toll, bitte mehr !!

Liebe Grüße aus Wissentrup

Jürgen

Edeltrud Offline


Beiträge: 1.264


30.10.2010 16:25
#3 RE: Nachts antworten

Lieber Micha,
du hast eine Nacht beschrieben wie sie wohl ein jeder schon durchlebt hat.
Ein wunderbar lyrisches und emotionales Werk



~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Poesie ist ein Atemzug, der alle Tränen trocknet.
Poesie ist der Geist, der in der Seele wohnt,
der vom Herzen genährt wird
und dessen Wein die Zuneigung ist.


*Khalil Gibran*

Eleonore Offline


Beiträge: 1.726


30.10.2010 17:08
#4 RE: Nachts antworten

Ja, finde ich auch - super geschrieben, es liest sich sehr gut und auch noch spannend
Wieder kann ich die Bilder sehen, die du mit deinen Zeilen erweckst.

So ungefähr ab Gedichtmitte dachte ich an einen Traum -
aber deine letzte Zeile läßt mich zweifeln
War es ein Traum, oder ein Traum im Traum



HP: http://e-goerges.repage2.de
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens
zu werden.

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Sabine Offline


Beiträge: 186


31.10.2010 19:11
#5 RE: Nachts antworten

Ein schaurig wunderschönes Gedicht ist dir wieder gelungen...
bist ein toller Poet Micha.
Liebe Grüße
Sabine

Michalocker Offline


Beiträge: 200


31.10.2010 19:33
#6 RE: Nachts antworten

danke für die Blumen - seid alle lieb gegrüßt

liebe Grüße

"Wenn Du willst, was du nie hattest - dann mache, was du nie tatest"

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