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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 92 mal aufgerufen
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 Harry
gitano Offline


Beiträge: 76


05.06.2010 15:01
Viel Arbeit gab`s und wenig Brot. Aber ich lebe noch ..... Am Waldesrand. antworten

Am Waldesrand …


…. ich unbeweglich stehe
und über eine herbstlich Wiese sehe.
An einen Baum mich angelehnt
lausche ich der Melodie des Waldes.
Habe mich hierher gesehnt.
Sanfter Wind fächelt mein Gesicht
während ich auf den Waldrand sehe.
Und benachbart, noch im Licht,
sanft sich Zweige nur bewegen.

Plötzlich auftritt aus dem Unterholz
was es eben noch verborgen hielt.
Ein riesenhaft enormer Elch der stolz
erhobenen Hauptes, anschaut sein Revier.
Übergroße weit ausladende Schaufeln,
welch ein eindrucksvolles schönes Tier.
Grauschwarz eingefärbt sein Fell,
ockerfarben nur die Beine hell.
Ich wage nicht zu atmen.
Stehe regungslos und staune nur.

Der Wind steht immer noch zu mir
mir ist, als könnte ich ihn riechen.
Zu sehen ist es nicht von hier,
doch das Zucken seiner Flanken
wird unbewusst mir suggeriert.
Nur durch die Kraft meiner Gedanken,
steht es ganz nah bei mir, das starke Tier.

Kein anderes Lebewesen hier kann es bezwingen,
den Kampf mit Menschen nur, es stets verliert.
Ein tödlicher Schuss - wird es zu Boden bringen.
Die Art wird künstlich und bezweckt so reduziert.
Stetes Fressen und Lust auf Knospen, jungen Trieben,
hätte zuerst den Wald und dann den Elch vertrieben.

Er hebt den Kopf, dreht unruhig sich im Kreis.
Vögel steigen lärmend auf und fliegen fort.
Ich höre nichts und doch ich sicher weiß,
ihm droht Gefahr. „Wechsle rasch den Ort!“
Flüstere erschrocken ich ihm zu, „Schon bald …“
Nur wenige rasche Schritte und der Elch ist fort.
Unwahrnehmbar! Einfach verschwunden im Wald.
„…. sind sie hier.“ Beende ich und starre auf den Fleck,
so plötzlich wie er kam - war er auch wieder weg.
Entspannt setz langsam ich am Baum mich nieder,
in Sonnenwärme bitte ich: Komm noch mal wieder.

Schüsse, ich höre Schüsse. Nein, das darf nicht sein.
Hundgebell wild und laut. Es schweigen die Tiere des Waldes.
Spüre Trauer in mir, fühle mich jetzt sehr allein.
Ein kleiner Traktor zieht ein Tier auf die wilde Wiese,
einen Elch. Ist es mein wunderschönes Prachtexemplar?
Kann’s nicht erkennen. Seelennot. Es verstärkt sich diese.
Meine Frage ist nun auch egal. Er ist jetzt nicht mehr da.
Mich erhebend verschwinde ich so wie gekommen.
Ich kehre zurück, mein Freund, denk ich beklommen.

Ich tat wie ich versprochen. Suchte ihn jedes Jahr.
Sein Platz bliebe leer und doch, ich ging unverdrossen
an meinen Standort, wo ich ihn zuletzt verschwinden sah.
Stand stets in Erinnerung dort, wo wurde geschossen.
Traurig kehrte auch heute ich der Wiese den Rücken
und sah zurück. War drüben im Dunkel nicht Bewegung?
Regungslos sah ich hinüber und erkannte voll Entzücken,
da war er, mein Elch. Noch älter! Noch mächtiger!
Bin mir sicher er sieht zu mir herüber, nickt mir zu!
Sah ihn danach niemals wieder. Er fand ganz sicher,
so wie ich, endlich die verdiente Ruh.

Harry Reinert 26 Mai 2010


Walter Offline


Beiträge: 313


06.06.2010 08:21
#2 RE: Viel Arbeit gab`s und wenig Brot. Aber ich lebe noch ..... Am Waldesrand. antworten

Hallo lieber Harry,
vielen Dank für das Bereitstellen deines Gedichts.
Wieder einige intensive Eindrücke von dir aus dem Norden.
Das Verhältnis von Mensch und Natur, des Ichs zur Natur
finde ich sehr gelungen.
Viele herzliche Grüße aus der Provinz Lippe in den hohen Norden sendet

Walter

Ich habe eiserne Grundsätze - Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich habe auch andere (Groucho Marx)

gitano Offline


Beiträge: 76


06.06.2010 14:20
#3 RE: Viel Arbeit gab`s und wenig Brot. Aber ich lebe noch ..... Am Waldesrand. antworten

Lieber Walter
Danke für Deine Zeilen.
Der Aufenthalt in der Natur nur als beobachtender Teilnehmer eines Ganzen,
zeigt dir wie unbedeutend wir anfänglich waren.
Unser Verstand und die damit verbundene Vorwärtsbewegung, hat unser Eingreifen in allen Bereichen wo wir das Gleichgewicht der Natur nachhaltig beeinflussen erforderlich gemacht.
Es freut mich Dein Verstehen - für meine Zeilen.
Liebe Grüsse aus dem NORDEN
Harry

Bernd Rosarius Offline

Administrator
Beiträge: 1.679


06.07.2010 22:06
#4 RE: Viel Arbeit gab`s und wenig Brot. Aber ich lebe noch ..... Am Waldesrand. antworten

Lieber Harry,
ich finde es beeindruckend, wie Du Deine Beobachtungen gekonnt
lyrisch zu Papier bringst.
Du schreibst mit der Seele und man kann mit Deinen Augen sehen.
Wunderschön!


http://www.repage7.de/member/berndrosarius
Das höchste Gut ist die Harmonie der Seele
mit sich selbst

SENECA

gitano Offline


Beiträge: 76


07.07.2010 17:54
#5 RE: Viel Arbeit gab`s und wenig Brot. Aber ich lebe noch ..... Am Waldesrand. antworten

Hallo erst einmal und dann Glückwünsche für erfolgreiches Bestehen - nachträglich!!
Ich bin nicht verschütt gegangen nur 300 KM südlich haben wir uns ein zweites Haus gekauft und stecken bis über beide Ohren in Arbeit.
Danke Bernd, für deinen wunderbaren Kommentar.
Es ist so, mit dem Herzen, denn ich liebe dieses Land, seine Eigenarten - also auch die Menschen - und du hast es richtig erkannt.

Ich habe lange nichts mehr geschrieben, doch es fehlt die Zeit. Wir machen auch noch recht erfolgreich Musik in unserem Landkreis und da sind Auftritte und Übungsabende unvermeidlich.
Es macht mich aber mächtig stolz, nach so langer Zeit nicht vergessen worden zu sein. Darum eineige Zeilen für "den Garten der Poesie"!


Noch ein Neuer
Im Garten der Poesie,
da kann ich nicht
viel schreiben.
Inhaltlich schlicht:
Bei Euch
Möcht’ ich bleiben.

Wie mit mir umgegangen,
Obwohl ich oft gefehlt,
hält, denke ich,
mich hier gefangen.
Und das alleine
für mich zählt.

Es grüsst im Forum jeden -
der Harry aus Schweden.


Eigentlich wollte ich es (so ähnlich) zu den von mir versäumten "Feierlichkeiten" einstellen.
Es gibt für mich bestimmt noch Möglchkeiten des Mitmachens!!

Liebe Grüsse Gitano Harry aus Schweden

 Sprung  

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