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Zum Arzt geht heute ein Gedicht und wie es sehr verlegen spricht, meint es zu dem: „Ich fühl‘ mich schlecht, man sagt, man schrieb mich nicht so recht, drum hoffe ich hier auf Errettung zur angenehmen Wortverkettung.”
Drauf meint der teure Arzt zu ihm: „Jawohl, Sie haben viel Geblüm. Das Beste ist, das tut nicht weh, Sie kommen morgen zur Op, dort werde ich Sie durch studieren und danach gründlich operieren!”
Am nächsten Tag, schon auf der Bahre, rauft das Gedicht sich kurz die Haare, dann aber ist es hoffnungsvoll, da es ja schöner werden soll, schläft ein und träumt fest unter Äther vom großen Lobgesang für später.
Doch kaum erwacht aus der Narkos‘ betrachtet es sich fassungslos und schimpft: „Von mir blieb nur ein Satz, man ließ mir viel zu wenig Platz, ich bin nur eine Zeile lang, zugleich mit Mund und Darmausgang!“
Enttäuscht von dieser Prozedur denkt das Gedicht: Was mach ich nur? und schlängelt sich mit letzter Kraft hin zu der sprachlich‘ Wissenschaft. Die aber meint: „Hier steht nicht viel, Veränderung wär wohl Ihr Ziel!“
Als minimal arg abgestempelt, hat es sich selber hochgekrempelt und wälzt sich fest im Wortsalat. Bald ist es nimmer nur Zitat und fühlt sich schöner als zuvor, als es die Hoffnung schon verlor.
Nach all dem Doktern und dem Frust, sagt das Gedicht jetzt selbstbewusst: „Zu breit, zu schmal, zu kurz, zu lang, wär‘ aller Dichtung Untergang, drum bleib‘ ich so für alle Zeit mit eigener Persönlichkeit!”
Das haben sie vortrefflich geschrieben, werte Frau Ringelnatz ...
Oh - verzeih !
Liebe Helga,
es gab mal wieder etwas zu lachen, obwohl es doch gar nichts zu lachen gibt. Doch halt, wir können uns freuen, dass das Gedicht zu sich selbst zurückgefunden hat.
Am Anfang war es eine (Kata)strophe - man wusste nicht wo führt das hin - dann folgt die zweite, gar nicht doofe, in der der Arzt erklärt den Sinn: Er sei sehr hoffnungsfroh - o je - es helfe nur: Tot(al)-OP !
Nun strotzt es nur so vor Selbstbewusstsein. Da kann man ja neidisch werden, liebe Helga, wie Du das hingekriegt hast - bravo !
Jetzt frage ich mich bloß, was mache ich nur mit den vielen Versen, die sich mir im Kopfe drehen ? - Werden sie mit Deinem Schrumpf-Poem schritthalten ? - Zumindest ist einen Versuch wert, an manchem Gedicht ein wenig herum zu schnibbeln, denn bekanntlich liegt die Würze in den allermeisten Fällen in der Kürze.
Es hat mir Spaß gemacht, Deine "eigene Persönlichkeit" zu lesen und zu analysieren - danke !